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Raum für kulturelle Bildung

von Thomas Schürmann-Blenskens

Kulturelle Bildung

Die Anfrage zu diesem Artikel hat mich aufgefordert, einmal die Gebaude und Räume zu resümieren, in denen ich als Jugendlicher Schulbildung genoss, aber auch anderen, selbst gewählten Inhalten nachging.

Die Schulgebäude in meiner Heimatstadt Kettwig a.d. Ruhr waren ausnahmslos Räume, deren oberste Qualität darin bestand, völlige Klarheit über das niedrige Budget herzustellen, das der Bauherr zur Erstellung notwendigen Schulraumes lediglich für Planung und Bauausführung zur Verfügung zu stellen bereit war. Da blieb auch schon einmal ein Ball in einer Gipskartonwand stecken...

Und nicht ein einziger Schulbau in meiner Biographie 1 hatte wenigstens annähernd das Flair einer alterwürdigen „Penne“ mit der eventuellen Möglichkeit der Entstehung von Geschichten und Legendenbildungen im Stil einer Feuerzangenbowle...nein, nicht einmal an eine Verfilmung solcher oder ähnlicher Stoffe wäre in diesen Räumen zu denken. Gelernt habe ich darin schon: alles, was Schule von mir zu lernen erwartete – lediglich das ... aber schon okay: Schließlich ließ sie mir ja Zeit, an andere Orte herauszugehen.

Meine Instrumentalunterrichte an der Orgel nahm ich bei Kantoren an der evangelischen Stephanuskirche in Düsseldorf und an der Neuen Pauluskirche in Essen, die Chorarbeit fand in den jeweiligen Gemeindesälen statt. Die jährliche Chorakademie in der Bildungsstätte Radevormwald (einem immer noch nicht unter Denkmalschutz stehenden, geschlossenen riesigen Bungalow-Anwesen der 60er) habe ich geliebt. In meiner Heimatgemeinde Kettwig übte ich an drei Tagen der Woche an zwei verschiedenen Orgeln unter anderem an der Marktkirche. Mein Schwimmverein war im Stadtbad Essen beheimatet und meine Fotogruppe hatte ihr Labor in den alten Kellern der ehemaligen Bundesbahndirektion Essen.

Außerschulische Lernorte

Warum diese so biografische Ausführlichkeit an dieser Stelle? Damit eindrücklich klar wird, dass auch die außerschulischen Räume als Lern- und Erfahrungsraum von großer Bedeutung sind, ihre Atmosphäre, ihr Klang, ihr Licht heute noch wirken und in der Rückschau bemerkenswert ist, wie viel öffentlichen Raum ich als Jugendlicher durchschritten habe, um zu ihnen zu gelangen. Weil schließlich alle diese Raäume für die verschiedensten Begegnungen und Erfahrungen mit Menschen stehen.

Für den Ausbau bzw. die Pflege der Ganztagsschulen heutiger Zeit muss unserer Gesellschaft klar werden, dass die Jugendlichen durch immer längere Verweildauer in der Schule immer weniger Zeit haben, in frei von Schule gewählten Umgebungen zu leben und dort zu lernen.

Bildung, besonders kulturelle Bildung verkürzt sich möglicherweise auch um das Schulleben. Andererseits steht außer Frage, dass ein großer Teil der Jugendlichen auf Alternativen hingewiesen werden sollte und auf Impulse angewiesen ist, damit nicht zu viele virtuelle Räume aufgesucht werden.

Während Schule beansprucht, der Ort und Mittelpunkt von Bildung zu sein, versäumt sie häufig zu realisieren, welche große Verantwortung für Ästhetik, Funktionalität, Vielfalt und Ordnung daraus für solchen Lernraum entsteht. Sie löst sie in der Regel die von ihr selbst gesetzten hohen Ziele nicht ein.

Wenn eine wohlhabende Gesellschaft und Volkswirtschaft es ehrlich meint mit der Bildung seiner Jugend, sollte es selbstverständlich werden in Zukunft impulsreichere Lernumgebungen und Räume von integerer Planung und hoher Qualität anzubieten. Es erwächst eine Verpflichtung, Schulen als „Einfallsreich“ zu gestalten. Das macht Arbeit! Das ist teuer! Aber aussichtsreich!

Ein anderer Ansatz könnte auch darin bestehen, dass Schule doch wieder mehr Zeit lässt, um aus ihr heraus zu gehen – etwa um über ein schulgebundenes Zertifikatssystem (mit Unterrichtswertigkeit), in Kooperation mit Einrichtungen der Jugendbildung, Musikschulen, Museen, Vereinen, Kirchen etc. Bildung in ihrer Breite zu erleben. Diesen Ansatz gebe ich gerne zu bedenken ... aber der ist eine andere Baustelle.

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