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Umbau und Partizipation in der Wohnungslosenhilfe

von Marc Wübbenhorst

Im Quartier mitmischen wollen die Bewohner der Herberge zur Heimat. Bis dahin ist es noch ein Weg, den Nachbarn, die Leitung und dieMitarbeitern gemeinsam mit den Bewohnern partizipativ gestalten. Wie das Zusammenleben in der Nachbarschaft sich gestaltet und wie das Gebäude dafür verändert werden muss, legen alle gemeinsam fest.

Gast.Haus -Herberge zur Heimat

Seit 135 Jahren finden wohnungslose Männer in dem Gebäude eine Herberge sowie Hilfestellung bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Die Bewohner sind hier vom Stadtviertel geduldet. Doch wie wandelt man Duldung in Akzeptanz um? In einem breit angelegten Beteiligungsprozess entwickeln wir ein gemeinsames Konzept des Miteinanders, erarbeiten Quartiersfunktionen für einen Standort der Wohnungslosenhilfe.

Quartiersbezug im Moderationsprozess

Quartiersentwicklung lebt von neuen Ideen! Diese sollen auf Herausforderungen unserer Städte und Gemeinden ausgerichtet sein. Gemeinschaftsorientierte Aspekte werden dabei immer öfter thematisiert, erscheinen als neue Mosaiksteine des Lokalen, die zusammen mit weiteren technologischen Möglichkeiten ein Wohnviertel zu einem „Quartier 2.0“ machen können. In einem Moderationsprozess begleiten wir Bewohner, Mitarbeiter und Nachbarn vom Kick-off über die Ideenwerkstatt hin zum Bauausschuss. Nur Beteiligung führt zu Akzeptanz.

Moderation und Partizipation im Bauprozess

Inklusion, Partizipation und Quartier

Mitanpacken, Mitmachen und im Viertel wirksam sein: Durch den Aufbau sozialer und wirtschaftlicher Voraussetzungen ermöglichen wir das Bleiben in der Stadt. Die Bewohner erhalten Unterstützung bei der Überwindung psychosozialer Schwierigkeiten und Hilfe bei ihrer Arbeit, Ausbildung und Freizeit. Fähigkeiten und Fertigkeiten werden mit dem Ziel der selbstständigen Lebensführung gefördert und reaktiviert. Wieder ein normales Leben zu führen ist der Wunsch der Bewohner, die in der Herberge zur Heimat ein vorübergehendes Zuhause finden.

Eine feste Burg, ein offenes Haus

Gustav Schwartz (1847-1910) erhielt seine Ausbildung an der Polytechnischen Hochschule in Hannover beim Architekten Conrad Wilhelm Hase, der die „Hannoversche Architekturschule“ ins Leben gerufen hatte. Schwartz war ab 1876 Stadtbaumeister und Stadtbaurat in Hildesheim. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Gustav Struckmann (1837-1919) prägte er über 34 Jahre lang das Stadtbild. Zahlreiche seiner Bauten stehen noch heute: die Baugewerkschule am Hohnsen, das Sieben-Brüder-Haus Schmitjan in der Feldstraße, sein eigenes Haus in der Gartenstraße, und nahebei die Herberge zur Heimat.

Die Heimat: Hildesheimer Oststadt

1846 wurde Hildesheim an die Eisenbahn angeschlossen; 1884 entstand ein neuer Hauptbahnhof. Hildesheim wuchs. Als die mittelalterliche Stadtmauer abgebrochen war, entwickelten sich am Stadtrand in kurzer Zeit neue Stadtviertel: ein Geschäftsviertel in der Bernwardstraße die Nordstadt hinter dem Bahnhof die Oststadt um die Steingrube herum. In der Oststadt ist unsere Herberge beheimatet. Baumeister Gustav Schwartz schuf sie als Wohnviertel für gehobene Ansprüche

Der Herr der Backsteine

Gustav Schwartz (1847-1910) erhielt seine Ausbildung an der Polytechnischen Hochschule in Hannover beim Architekten Conrad Wilhelm Hase, der die „Hannoversche Architekturschule“ ins Leben gerufen hatte. Schwartz war ab 1876 Stadtbaumeister und Stadtbaurat in Hildesheim. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Gustav Struckmann (1837-1919) prägte er über 34 Jahre lang das Stadtbild. Zahlreiche seiner Bauten stehen noch heute: die Baugewerkschule am Hohnsen, das Sieben-Brüder-Haus Schmitjan in der Feldstraße, sein eigenes Haus in der Gartenstraße, und nahebei unsere Herberge zur Heimat.

Ein wirtlich Dach für Wanderarbeiter

Millionen junger Männer wanderten im 19. Jahrhundert auf der Suche nach Arbeit und Wohnung in die wachsenden Städte. Baumeister Schwartz kannte die „Tippelbrüder“ von seinen Baustellen. Viele hatten nach schwerer Arbeit am Tage keine ruhige Stätte für die Nacht. Staatliche Hilfe gab es nicht. 1854 eröffnete die Innere Mission in Bonn die erste „Herberge zur Heimat“, in der wohnungslose Wanderarbeiter Kost und Logis fanden. Ein weitverzweigtes diakonisches Fürsorgesystem entstand, über 500 Herbergen zur Heimat wurden in deutschen Landen gegründet. Bei uns Hildesheim fanden die Wanderer ab 1881 an städtebaulich prominenter Stelle Unterschlupf.

Ortstermin: Mit Nachbarn in der Herberge zur Heimat

Die Diakonie Himmelsthür

1884 begann auch die Geschichte der Diakonie Himmelsthür: Pastor Bernhard Isermeyer gründete in der alten Dorfschmiede zu Achtum bei Hildesheim ein Frauenheim. Die diakonische Arbeit, die daraus erwuchs, hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert; treu geblieben ist sie ihrem Grundauftrag, sich Menschen anzunehmen, derer sich sonst niemand annimmt, eines jeden in seiner individuellen Lebenssituation. Heute ist die Diakonie Himmelsthür der größte Anbieter in der Eingliederungshilfe in Niedersachen – und auch Trägerin der Herberge zur Heimat in Hildesheim

Die Herberge zur Heimat

„Tippelbrüder“ wie im 19. Jahrhundert gibt es wegen der verbesserten staatlichen Sozialhilfe praktisch nicht mehr. Wohnungslose Männer gibt es noch – seit den 1990er Jahren sogar wieder verstärkt. Viele davon nennen sich selber „Berber“. Die Herberge definierte sich nach dem Krieg um und widmet sich seitdem der professionellen Sozialarbeit für wohnungslose Männer. Seit 2014 ist die Diakonie Himmelsthür Trägerin der Herberge zur Heimat.

„Wir unterstützen in der Herberge Männer, die ihre traditionelle gesellschaftliche Rolle verloren haben, dabei, wieder ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben in Würde zu führen. Männer, die mit anpacken, mitmachen und im Viertel wirksam sein möchten. Männer, die viel gelernt haben. Schrittweise bauen sie soziale Beziehungen auf und schaffen sich wirtschaftliche Grundlagen. Wir helfen ihnen bei der Überwindung psychosozialer Schwierigkeiten in Arbeit, Ausbildung und Freizeit. Wir fördern ihre besonderen Fähigkeiten, damit sie zur Basis einer selbstständigen Lebensführung werden können. Die Männer, die bei uns ein vorübergehendes Zuhause finden, wünschen sich, ein normales Leben zu führen.“ Daniela Knoop, Leiterin der Herberge zur Heimat in Hildesheim

Hinter die Fassade geschaut

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