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Nachhaltigkeit und Kommunikation

von Heike Böhmer

Ausgangspunkt Wohnungsbau

Ausgangspunkt der Bauforschung im IFB waren die Probleme im Wohnungsbau, die nach den Weltkriegen gelöst werden mussten. Die Bauforscher suchten damals nach neuen Methoden zum schnellen und kostengünstigen Bauen sowie Bauersatzbaustoffen. Seitdem haben sich die Aufgaben der Bauforschung grundlegend gewandelt und die Themen sich dem Markt angepasst. Heute werden tagesaktuelle Praxisprobleme und Schadenentwicklungen analysiert sowie Fragestellungen im Sinne von Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Lebenszyklus gelöst. Das Institut für Bauforschung war und ist dabei ein wichtiger Partner für die Bauund Wohnungswirtschaft. Beispielhaft für die aktuellen Aufgaben seien zwei IFB-Studien genannt, deren Inhalte in der Öffentlichkeit ein sehr positives Echo fanden:

In der „Untersuchung zur Bauqualität beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern“ für eine Verbraucherschutzorganisation wurde auf Grundlage von 100 Dokumentationen baubegleitender Qualitätskontrollen überprüft, wie Anzahl und Feststellung der Baumängel im Kontext zu Qualitätskontrollen zu bewerten ist, ob die Kontrollen das vereinbarte Bauergebnis entscheidend beeinflusst haben und ob eine erhöhte Kostenersparnis durch das frühzeitige Erkennen von Baumängeln zu verzeichnen ist. Die Grafik in Abb. 1 zeigt als wesentliches Ergebnis die Mängelverteilung im Bauablauf und deren Schwerpunkte in den Bereichen Rohbau, Statik, Dachkonstruktion und Gebäudeabdichtung, also Gewerke, die im Sinne von Funktionssicherheit und Nachhaltigkeit des Gebäudes relevant sind.

In der Studie „Maßnahmenkonzepte zur Verbesserung der Energieeffizienz im Wohngebäudebestand unter Berücksichtigung des architektonischen Erscheinungsbildes“ für die Bauindustrie wurde ein brisantes Thema aufgegriffen und untersucht, wie bei einer energetischen Modernisierung das Kriterium der Energieeffizienz mit Aspekten architektonischer Qualitätsansprüche, Maßgaben der Denkmalpflege und baurechtlichen Vorschriften bestmöglich in Übereinstimmung gebracht werden kann.

Mängel nach Bereichen/Gewerken
Mängel nach Bereichen/Gewerken

Hierfür wurden beispielhafte Lösungen und Lösungsansatze unterschiedlichster energetischer Modernisierungen ausgewertet. Mit dem so entstandenen Leitfaden werden Auftraggeber, Planer und Bauausführende in die Lage versetzt, anhand konkreter Beispiele übertragbare ganzheitliche Lösungskonzepte für eigene Projekte der energetischen Modernisierung zu entwickeln. Der in Abb. 2 dargestellte 5-stufige kriterienbasierte Leitfaden „Nachhaltige Sanierung“ beschreibt die notwendigen Schritte einer energetischen Gebäudesanierung sowie die den Ablauf beeinflussenden Faktoren.

Allen Untersuchungen, Forschungsarbeiten und Studien des Instituts für Bauforschung e.V. liegt ein wesentlicher Maßstab zugrunde, der seit Jahrzehnten als Grundprinzip der Arbeits- und Betrachtungsweise manifestiert ist: der Begriff der nachhaltigen Gesamtbetrachtung, der insbesondere auch im Bereich der Projektbegleitung, planungs und baubegleitenden Qualitätssicherung eine wesentliche Bearbeitungs- und Bewertungsgrundlage sowohl bei Neubauten als auch bei Modernisierungen im Gebäudebestand bildet.

Nachhaltige Gesamtbetrachtung und integraler Planungsansatz

5-stufiger kriterienbasierte Leitfaden „Nachhaltige Sanierung“
5-stufiger kriterienbasierte Leitfaden „Nachhaltige Sanierung“

Auf der Grundlage des Brundtland-Berichts der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen wird der Begriff der Nachhaltigkeit als „Drei-Säulen-Modell“ beschrieben, das aussagt, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen (ökologischen), wirtschaftlichen (ökonomischen) und sozialen Zielen erreicht werden kann. Die drei Saäulen der Nachhaltigkeit bedingen sich dabei gegenseitig, stehen insofern miteinander in Wechselwirkung und bedürfen einer ausgewogenen Koordination.

Vor allem die Entwicklungen im Bereich der Steigerung der Energieeffizienz und nachhaltigen Gesamtbetrachtung bzw. Verbesserung von Gebäuden machen eine fachuübergreifende Zusammenarbeit aller an Planung und Bau Beteiligten zunehmend unabdingbar. Hier wird insbesondere auf den integralen Planungsansatz abgestellt.

Die Definition der „Integralen Planung“ hängt dabei ab vom Anforderungsprofil der zu planenden Aufgabenspektren und zielt also auf eine vollständige Betrachtung aller Planungsaspekte vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Sichtweise. Dies ist erforderlich für eine umfassende Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten. Zugleich ist es von wesentlicher Bedeutung, den zeitlichen und inhaltlichen Planungsablauf und die Abstimmungen zwischen den Planungsbeteiligten optimal zu koordinieren, beginnend bei der Definition der Zielstellungen, der Bestandsaufnahme über die Grundlagenermittlung, den Vorentwurf bis zum umsetzungsreifen Entwurf. Da die wesentlichen Planungsentscheidungen mit relevanten Auswirkungen auf Ökonomie, Ökologie und die gesamten soziokulturellen Aspekte in den frühen Planungsphasen gefällt werden, ist die Zusammenarbeit eines interdisziplinären Planungsteams besonders in den frühen Planungsphasen von hoher Bedeutung.

Das Institut für Bauforschung e.V. (IFB) hat seit seiner Gründung im Jahr 1946 seinen Sitz in Norddeutschland. Hervorgegangen aus der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliches Bauen und der Deutschen Akademie für Bauforschung, liegen die Kernaufgaben in der wissenschaftlichen Forschung auf den Gebieten Nachhaltiges Bauen, Baustoffanwendung, Bauqualität und Bauschadenvermeidung. Hierfür werden Untersuchungen durchgeführt, wissenschaftliche Ergebnisse und Schadendaten analysiert und Praxiserfahrungen ausgewertet. Die Erkenntnisse werden für die mehr als 100 Mitglieder und alle am Bau Beteiligten veröffentlicht.

Bereits hier beginnt die Tätigkeit des Instituts für Bauforschung z. B. im Rahmen planungs- und baubegleitender Qualitätssicherungen. Anschließend müssen die formulierten Kriterien umgesetzt werden und für die Umsetzung während der Bauphase ebenfalls eine sinnvolle Qualitätssicherung geschaffen werden. Dabei spielen Dokumentation und Mängelverfolgung eine wesentliche Rolle. Aus einer zielgerichteten Objektdokumentation kann so während der Nutzungsphase des Gebäudes ein zielführendes Gebäudemanagement entwickelt werden. An und in allen Phasen ist das Institut beteiligt.

Das IFB finanziert sich als privatwirtschaftliches Institut in Vereinsform überwiegend aus Drittmittelaufträgen der Bauwirtschaft. Mitglieder sind die für das Bauwesen und den Wohnungsbau zuständigen Ministerien des Bundes und mehrerer Bundesländer, Spitzenverbände der Bau-, Wohnungs- und Energiewirtschaft, Universitäten, Städte, Wohnungsunternehmen, Unternehmen der Wirtschaft und Sachverständige.

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