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Leistungsphase 0 in Schulbau und Quartiersentwicklung

von Elke Maria Alberts

Elke Maria Alberts befasst sich mit sozialer Architektur – dabei stehen Begriffe wie partizipatives Planen, Inklusion, Quartier stark im Vordergrund.

Was ist besonders an sozialer Architektur im Vergleich zu anderen architektonischen Aufgaben?

Soziale Architektur, daspartizipative Planen für Gruppen und Gemeinschaften, ist die besondere Herangehensweise an eine Bauaufgabe. Wir haben diesen soziologischen Begriff gewählt, um auch den Prozess des Werdens einer Bauaufgabe zu benennen. Andere Aufgaben sind dann klassische Bauaufgaben oder Architekturleistungen.

Wir waren von Anfang an als Büro interprofessionell, durch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen haben wir es geschafft, scheinbar gegenläufige Themen in Projekte zu integrieren. Das hilft uns heute bei der Quartiersentwicklung, in die wir immer stärker einbezogen sind. Neue Projekte kommen ohne solche Bezüge fast nicht mehr aus, auch die Anbindung an Politik ist wichtig. Man kann ja fragen, wem eigentlich die Stadt gehört. Und das sind dann meinem Empfinden nach die Menschen, die dort Leben. Das Bauen und die Veränderung der Umwelt geht die Leute etwas und sie wollen wissen, wo die Reise hingeht.

Verraten Sie welche Vorteile hat Partizipation hat und was es im Einzelnen bedeutet?

Partizipation ist bei uns nicht nur Ansatz, sondern Programm. Es bedeutet das Einbeziehen der späteren Nutzer in den Planungsprozess. Partizipation bedeutet Teilhabe, diese gelingt nicht, wenn ein Gebäude den Leuten übergestülpt wird.

In der Regel haben wir es in unseren Projekten mit Gruppen und Gemeinschaften zu tun, deren Konzept wir dann miteinander in gebauten Raum übersetzen. Konkret sind die Nutzer und am Bau Beteiligten in Entscheidungen, die sie betreffen, einbezogen. Als Architektin biete ich Lösungen an und erst dann erbringe die eigentliche Planungsleistung. Im Endeffekt entstehen auf diese Weise Gebäude, die passgenau und von allen akzeptiert sind.

Aufgrund einer Lehrer-Initiative wurde zum Beispiel mit der Mamre-Patmos-Schule eine neue integrative Schule für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel für 250 Schüler partizipativ entwickelt. Durch einen Neubau wurde baulich und pädagogisch die Trennung zwischen zwei ehemaligen Schulen aufgehoben. Die Sonderpädagogen wollten die Sortierung der Schüler nach geistiger und körperlicher Behinderung endlich überwinden.

Als Architekten wurden wir am Schulalltag beteiligt und hospitierten während gesamten Planungs- und Bauphase regelmäßig im Unterricht. Wir haben in dieser Zeit den Pädagogischen Bauausschuss entwickelt.

Durch diese intensive Zusammenarbeit entstand ein Schulgebäude, für das es kein Vorbild gab. Noch heute besteht ein guter Kontakt zur Schule, die im Jahr 2002 fertig gestellt wurde. Pflege spielt dort im Schulalltag übrigens eine sehr große Rolle und ist in den Schulalltag integriert und baulich auf liebevolle Weist umgesetzt.

 

Schulbau im Quartier

Partizipation mit Format: Wie geht das mit der Leistungphase Null?

Dann müsste man festlegen, wo genau man startet und wo man die Beteiligten abholt. Die Frage ist am Anfang immer, ob es ein Konzept überhaupt gibt oder ob dieses nicht erst entwickelt werden muss. Im Sinne einer Leistungsphase 0 würde ich am Anfang eines Projektes in verschiedenen Workshops Gemeinsamkeiten herstellen. In solchen moderierten Prozessen ist dann meine Aufgabe, die bauliche Umsetzbarkeit und die Finanzierbarkeit von Ideen einzuschätzen und Qualitäten einzufordern.

Mit meinem pädagogischen Mitarbeiter Marc Wübbenhorst arbeiten wir in der Regel im gemeinschaftlichen Prozess von der ersten Fantasie über das Konzept bis zum hin Richtfest. Und dann gibt es natürliche Grenzen des Machbaren und verschiedenste Modelle von Partizipationsprozessen. Partizipation verlangt auch immer Prozessorganisation. Wir haben hierfür unseren Methodenkoffer, aber nie Standardlösungen im Gepäck.

Auf die Weise haben Sie Wohngruppenkonzept mit Quartiersbezug entwickelt. Was ist das Besondere daran?

Zusammen mit der BGW Bielefeld und den v.Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel erarbeiteten wir Konzept für das erste inklusive Wohnprojekt in OWL. In dem neuen Gebäude befinden sich Wohnraum für Familien sowie die Clearingstelle "Begleitete Elternschaft".

Das Besondere ist, das es sich um Eltern mit geistiger Behinderung handelt. Dass Eltern mit geistiger Behinderung Kinder haben, wurde lange Zeit weder wahrgenommen noch gesellschaftlich akzeptiert. Bereits die Möglichkeit des Zusammenlebens von geistig behinderten Eltern und ihren Kindern wurde meistens ausgeschlossen.

Die v.Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel wollten eine Einrichtung, die für Familien einen zeitlich begrenzten Aufenthalt ermöglicht. In dieser Einrichtung werden Eltern, die in ihrer geistigen Entwicklung beeinträchtigt sind und als Familie mit ihren Kindern in eigener Wohnung zusammenleben möchten über einen Zeitraum bis maximal neun Monate betreut und beobachtet, das Ziel ist eine Entscheidung für oder gegen ein gemeinsames Leben mit dem Kind. Im Mittelpunkt steht dabei der Anspruch des Kindes auf eine geschützte und ungestörte Entwicklung

Außerdem befinden sich im selben Gebäude Wohnungen für Familien ohne Unterstützungsbedarf. Das ist also Inklusion unter einem Dach. Ich habe dann in der Planung besonderen Wert darauf gelegt, dass ein Miteinander räumlich unterstützt wird, das man sich zwar treffen aber auch gut aus dem Weg gehen kann.

Wohngruppe mit Quartiersbezug

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