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Gestaltung schafft Identität

von Marc Wübbenhorst

Schöne Schulen fallen auf: In Bruchteilen von Sekunden erfasst man gute Schulen als stimmig gebaute Schulen - und man erkennt sie von außen, sie wirken. Schulgebäude kommunizieren im Vorbeigehen. Das Schulgebäude als Ort der Kindheit und Jugend – eine innere Zeitreise, es vereinnahmt. Das Schulgebäude, ein Raum in dem wir viele Jahre verbracht haben.

Gestaltung und Identität

Im Vorbeigehen hört man Geräusche, Gerüche: das Quietschen der Kreide auf der Tafel, der Geruch von Wachsmalstiften, Bohnerwachs. Das neue Mädchen mit den dunklen Haaren, sie schrie fürchterlich, wenn man daran zog und rannte petzen. Wir haben alle Schulerfahrung, jeder kann sich zum Thema Schule äußern. Das Betreten eines Schulgebäudes wirft uns für den Augenblick in die eigene Schulzeit zurück. Wir erinnern uns an die Erfahrungen, die wir machten, an Mitschüler an Lehrer. Unsere Erzählung ist mit dem Gebäude verknüpft. Und ganz nebenbei lernten wir. Wer erinnert sich an den Unterricht, wer erinnert sich daran, wie die Lehrerin die Zehnerüberschreitung didaktisch aufbereitet hat? Aber 31 und 12 zusammenrechnen, das gelingt uns. Irgendwas ist hängengeblieben. Die eigene Schulzeit hat in der Diskussion um das Schulsystem nie frei.

Eine schöne Schule zeigt, was uns Kinder wert sind. Schön gestaltete Schulen werden von Kindern mit Respekt behandelt, sie bewahren vor Zerstörung. Alles was nicht gestaltet werden kann, lädt erst Recht zur Gestaltung ein. Vandalismus ist eine Form der Gestaltung.

Schulen sollen ästhetische Orte sein

Schulen dürfen nicht nur Hüllen aus Beton sein. Die Beschaffenheit des Schulgebäudes wirkt sich immer auf das Lern- und Sozialverhalten der Kinder und Jugendlichen aus. Sie wird das Setting unseres Erfahrens. Lehrerinnen sollen gute Pädagogik in völlig unpädagogischen Gebäuden verwirklichen. Starre Betonbauten und lieblos gestaltete, reizarme, funktionale Schulgebäude beherbergen, die, die uns am liebsten sind. Farbige Gestaltung schafft Struktur, sie bietet Identifikation an.

Individuelle Planung

Es wird in Zukunft immer weniger Schüler geben, viele Gebäude bleiben leer. Viele Architekten haben die Idee, von vornherein eine alternative Nutzung des Gebäudes mit einzuplanen. Dies ist nur begrenzt möglich: Ein Gebäude, das als Schule auf die besonderen Bedürfnisse der Lehrer und Schüler zugeschnitten ist, das ein guter Arbeitsplatz für Pädagogen und ein Haus des Lernens ist, wird niemals ein Altenzentrum sein können. Ein maßgeschneidertes Hemd passt nicht jedem.

Gestaltung folgt Nutzen

Die Architektur eines Schulgebäudes ist ein Aspekt von mehreren. Gelungene Schularchitektur beeinflusst das Lernen positiv. Trotzdem: Gute Architektur nützt nichts, wenn der Unterricht darin schlecht ist. Schön ist es, wenn ästhetische Überlegungen in die Planung einfließen. Dabei wollen wir keine Bilder produzieren, die Hochglanzmagazine füllen. Kinder sind keine Designobjekte. Ästhetische Räume folgen dem Nutzen, sind funktional aber gestaltet.

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