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Was soll Fundraising?

von Maik Meid

Gespendet?

Hand auf’s Herz, seien Sie mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal gespendet? Ohne gedrängt worden zu sein? So völlig ehrlich und bewusst? Prima.

Entweder haben Sie jetzt ein schlechtes Gewissen oder aber Sie haben direkt an die Organisation oder das Projekt gedacht, das Ihnen in diesem Fall wichtig war. Denn, machen wir uns nichts vor. Ohne Spenden wären eine Vielzahl gemeinnütziger Projekte in Deutschland nicht denkbar und viele Hilfs- und Bedarfsangebote würden nicht existieren. Und genau das ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für:

Schon mal gehört?

Das Wort "Fundraising" geht seit einigen Jahren durch die Welt von gemeinnützigen Organisationen, Hilfswerken, Schulen und kleineren Projekten vor Ort. Es wird häufig gleichgesetzt mit professionellem Spendensammeln, dem Anquatschen von Passanten auf offener Straße mit Spendendose oder Unterschriftsblock oder der Aneinanderreihung von unterschiedlichen Methoden, z.B. „Bettelbriefen“, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. All dies ist Fundraising aber nicht! Ein sehr geschätzter Kollege bezeichnet dies so, dass Fundraising nicht die Kunst sei, Menschen so schnell über den Tisch zu ziehen, dass sie die Reibungshitze als Nestwärme empfinden.

„Aber wir machen doch gute Arbeit…"

Aber was ist Fundraising denn nun? Fragen Sie, analog zu den Juristen, fünf Fundraiser und Sie werden sieben Antworten erhalten. Einheitlichkeit ist dort schwierig. Einigkeit besteht aber darin, dass Fundraising ein Prozess ist, planbare und langfristige Einnahmen aus Spenden zu gewinnen. Aus Sicht des Autors ist Fundraising das langfristige, ethisch saubere und transparente Platzieren einer gemeinnützigen Organisation auf dem Spendenmarkt. Stets mit dem Fokus auf dem Willen des Spenders.

"Fundraising is not about money.“ (Ken Burnett)

Immer mehr Organisationen versuchen die wegbrechenden Finanzen über Spenden und Fördermittel zu kompensieren. Kein Neubau einer Schule ohne einen Spendenanteil. So ein Vorhaben funktioniert aber nur dann, wenn es dafür ein erarbeitetes Konzept gibt. Dies sollte stets an der Spitze einer Fundraisingstrategie stehen. Egal, wie groß Ihre Einrichtung, Ihr Vorhaben oder Ihr Projekt ist. Denn, wer bei einem Fundraisingprozess vorrangig an Euros denkt, der wird scheitern und entwickelt kaum nachhaltige Prozesse.

Erst das Konzept, dann erst der Flyer

Ein solches Konzept beschreibt ganz klassisch die Ziele des Vorhabens: Was wollen wir mit Fundraising erreichen? Sollen Spendeneinnahmen erhöht werden oder Mitglieder gewonnen werden? Wie viele? Bis wann? In einem zweiten Schritt geht es um die Wege und erst ganz zum Schluss kommen die Instrumente, die das Ganze umsetzen. An dieser Stelle gibt es dann auch Antworten auf die Frage, welches finanzielle und personelle Budget zur Verfügung gestellt werden muss. Denn, Fundraising bedeutet zunächst auch Investition. Idealerweise erhält ein Konzept auch eine ständige Überprüfung der Tätigkeiten, damit am Beispiel für die gesamte Arbeit gelernt werden kann. Fundraising ist eben auch Organisationsentwicklung.

Nichts bleibt, wie es ist: Fundraising im Wandel

Regeln, die lange Zeit galten, gelten nicht mehr unbedingt. Genau wie in anderen Gesellschaftsbereiche auch trägt die Digitalisierung und die ständige Verfügbarkeit von Daten ihr Übriges. Auch wenn viele Grundwahrheiten im Fundraising immer noch stimmen, so hat sich durch Internet und Co. vieles verändert. Alles kann und wird gegooglet. Das Transparenzgebot und die Ehrlichkeit eines Vorhabens werden somit umso wichtiger.

Und noch mal zurück auf unser Beispiel von oben: Wann geben Sie denn nun wirklich etwas gerne und aus freien Stücken? Spendergründe sind da sehr verschieden. TOP 1: Menschen helfen Menschen. Sie wollen Konkretes zum Besseren bewegen und etwas verändern. Persönliche Betroffenheit und auch Mitleid sind weitere Motive, wobei letzteres kein Faktor bei der Spendenwerbung sein sollte – Stichwort Ethik.

Mal ganz praktisch: Der Bau einer neuen Förderschule der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen konnte ebenfalls nur durch die großzügige Unterstützung von Freunden und Förderern realisiert werden. Unterschiedliche Kanäle und Kommunikationsformen sprachen dabei die unterschiedlichen Spendermotive an und versuchten, potentielle Unterstützer mit dem Projekt vertraut zu machen. Dies gelang, mit vielen positiven aber auch negativen Erlebnissen während der Durchführung.

Zusammengefasst: Nur, wenn Sie Fundraising als Prozess ernst nehmen, dann wird es funktionieren. Fundraising muss man wollen, mit Herz und Hirn. Und es braucht Zeit! Aber, es macht eine Menge Spaß und setzt Unmengen an Energie frei.

Na los, versuchen Sie es. Tut auch gar nicht weh.

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